72 Stunden in Graz - ein kleines Tagebuch des Gewinners: Sonic Suite
Morgens um halb neun in Münster. Deutschland. Strömender Regen. Frisur nicht vorhanden. Dafür starten wir unseren Roadtrip quer durch das Land - nach Graz. Österreich. Zum vokal.total-Festival. Knapp 1000 km liegen vor uns.
Die meisten davon werden wir verschlafen, während Tilo am Steuer die Stellung hält. Die übrigen Kilometer gibt' s Apfelsinen, Kreuzworträtsel und Hits ohne Ende (mal aus dem Radio, mal aus uns). Irgendwann sind wir plötzlich in Österreich und unser Techniker Kai übernimmt das Steuer. Um uns herum ganz schön viele Berge und vor allem Tunnel. Lesen kann man nicht mehr, also spielen wir doch lieber das gute alte „Wörter-Bilden-Spiel“(Erklärung demnächst) mit Dank an unseren Ex-Bass Nik Grunwald.
Wir fahren vorbei an Klaus und irgendwann steht auch Graz auf den Schildern.
In Graz stehen wir dann ziemlich beeindruckt vor dem „Dom im Berg“ und sind froh, dass wir nicht oben auf dem Berg spielen müssen, sondern nur mittendrin. Auf der deutschen Speisekarte des netten Restaurants zum Fuße des Berges finden sich Wörter, die wir noch nie gehört haben. Mutig bestellen wir und sind schließlich glücklich, satt und müde: - Morgen ist Wettbewerbstag!
Sonnenschein und ein Wahnsinnsausblick sind schon mal ein guter Start in diesen Tag. Die Bühne fühlt sich gut an beim morgendlichen Soundcheck und nach außen klingt' s auch fett. Der Bühnensound ist noch nicht so rund und wir wünschen uns mal wieder In-Ear-Monitoring, aber eins nach dem anderen (vielleicht erst mal ein Album) Nach einem Mittagsschlaf oder einer Lesestunde am Pool wird noch mal ein wenig geprobt, gebügelt und hübsch gemacht. Die Spannung und die Vorfreude auf den Auftritt steigen. Angekommen im Berg macht sich gerade Hartmuth mit seiner Hitmaschine beim Abendpublikum - und auch bei uns - sehr beliebt.
Es ist unglaublich, was für eine Energie sich in diesem Raum befindet und wir lassen uns einfach mitreißen! Soviel Talent, soviel Musikalität, Kreativität, Freu(n)de, so viele Sprachen und soviel Enthusiasmus auf einem Haufen! Der Gedanke ans Gewinnen und an Konkurrenz verliert sich in dieser Stimmung, und als Indra und Frieder mit dem Weren’t-You The-One-Groove eröffnen, lassen wir uns einfach nur noch gehen und geben alles auf der Bühne. Kim Nazarian klatscht mit. Der Schweiß läuft übers Lächeln im Gesicht. Vic und Vinh battlen sich, als ob sie sich wirklich mal die Freundin ausgespannt hätten - und plötzlich ist's schon wieder vorbei.
Wir sind glücklich nach dem Auftritt. Nun erst mal ein Bierchen und den Rest des Abends einwirken lassen. Und - es sind noch einige große Momente an dem Abend: Musix, The Boxettes, MIcapella und natürlich auch Fii mit seinem einzigartigen Stilmix.
Als es dann später am Abend heißt, die Jury habe eine Entscheidung getroffen, geht der Puls noch mal ordentlich in die Höhe. Nachdem die Bronze- und Silberdiplome (zu unserer Überraschung u. a. für MIcapella und Boxettes) durch sind und es heißt, dass wir ein goldenes Diplom bekommen, gibt's das erste Mal den richtig konkreten Gedanken, dass wir hier wirklich was bewegt haben könnten. „The First Price goes to - wait for it... - Sonic Suite!“ Wir liegen uns in den Armen! Was passiert hier gerade? Unglaublich! Zum Glück verdrängt das Adrenalin die überschüssigen Promille im Blut, so dass wir noch ein Freude getränktes „HEY NOW“ schmettern können und unsere Lena noch mal einen draufsetzt. Den ganzen Abend kommt immer wieder der Gedankenblitz: „Wir haben echt gewonnen!“ Wir begreifen, dass wir ja dann am nächsten Tag noch einmal spielen dürfen und freuen uns umso mehr!
Der nächste und für uns letzte Tag ist zum Ärger von Kai leider total verregnet. Der Plan vom Tag am Pool ist somit hinfällig.
Die Konzerte am Abend sind noch mal tierisch und ich bin ganz stolz High five mit einem „Je kan met mij ook Nederlands praten, hoor“ zu überraschen. Auf der Rückfahrt zu unseren Betten feiern wir mit voller Inbrunst die Hits der 80er, 90er und von heute in verschiedensten Tonarten („and so we goo to the eeend ooof the road“, „Heal the woooorld“ , „part time loveeeer“ , etc. ). Vinh singt uns noch alle vom Waschraum aus in den Schlaf und am nächsten Morgen endet unser intensiver Kurztrip nach Graz.
Abfahrt acht Uhr morgens, es regnet und es gibt keine Frisur - aber ein eingerahmtes Golddiplom.
Wir haben so viele tolle Bands und Menschen kennen gelernt, so viele die zu regelmäßigen vokal.total-Gängern geworden sind, weil es eben Jahr für Jahr wieder diese Atmosphäre, in der man sein Bestes geben kann, gibt. Nochmals Danke an das ganze tolle Team für diese reibungslose Organisation und an alle anderen Bands für die Inspiration!
Unser Fazit: vokal.total, „it’s gonna be legen - wait for it... dary“
(Maike Lindemann - Sonic Suite)
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